:: Missbrauch von Kindern und Ätiologie

 

Hier werden die zentralen Ergebnisse der Studien im Modul MiK und A zusammengefasst. Vereinzelt werden auch Ergebnisse der Studien in DO berichtet. Auf welche Studien, Stichproben und Methoden sich die Ergebnisse beziehen werden, können Sie den in Klammern gesetzten Links entnehmen. Klicken Sie auf eine Frage, werden Sie direkt zu den Antworten geleitet.

 

Forschungsfragen der Studien im Modul MiK und A waren unter anderem:

 

Wie häufig ist sexuelles Interesse an Kindern in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?

Die Verbreitung sexuellen Interesses an Kindern in Form von Attraktivitätsbewertungen oder sexuellen Fantasien in der Bevölkerung ist weitgehend unbekannt. Ausgehend von Daten aus großen internationalen Befragungsstudien zeigt ein Teil von Männern aus der Allgemeinbevölkerung eine prinzipielle sexuelle Erregbarkeit durch kindliche Reize (Bilder) oder berichtet von entsprechenden sexuellen Fantasien (2,7 bis 9,5% sexuelle Fantasien bei der Selbstbefriedigung; Ahlers et al., 2011; Brière & Runtz, 1989; Santtila et al., 2010). Die Häufigkeiten variieren dabei mit den Stichproben, den Definitionen und Erhebungsmethoden.

 

Knapp ¼ der Männer gaben an, Kinder auch sexuell attraktiv zu finden.
  • 22% erwachsener Männer schlossen für mindestens eine Abbildung eines Kindes eine Bewertung als "sexuell attraktiv" nicht aus.
  • Knapp 1% sagen, dass sie Abbildungen von Kindern sexuell attraktiver finden als die von Erwachsenen.

 

4,4% der Männer in Deutschland berichten Fantasien zu sexuellen Handlungen mit Kindern im Alter von 12 Jahren und jünger.*

*gewichtete Angabe zugunsten der Repräsentativität der Befragung

 

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Am häufigsten sind sexuelle Fantasien mit Mädchen (Abbildung enthält ungewichtete Angaben).

Um zu überprüfen, ob die direkten Angaben der Studienteilnehmer zuverlässig sind, oder ob aus Scham und Angst sexuelles Interesse an Kindern verschwiegen wird, wurde neben direkten Befragungen ein indirektes Verfahren genutzt, welches Unterschiede in der sexuellen Informatioonsverarbeitung misst. Dieses Verfahren ist schwerer zu durchschauen und zu beeinflussen.


Mehr Männer gaben indirekt als direkt Hinweise auf ein sexuelles Interesse an Kindern.

  • 6% erwachsener Männer zeigten Besonderheiten in ihrer sexuellen Informationsverarbeitung, die ein größeres sexuelles Interesse an Kindern vermuten lässt als an Erwachsenen.


Die Häufigkeit sexuellen Interesses an Kindern auf der Fantasieebene war bei deutschen Männern damit knapp halb so groß wie in einer früheren deutschen Befragung (9%, Ahlers et al., 2011) und mehr als doppelt so groß wie in einer kanadischen Studie (1,8%, Joyal et al., 2014).

Betrachtet man ein relatives sexuelles Interesse an Kindern, präferierten nur noch gut 0,1% in ihren Fantasien Kinder gegenüber Erwachsenen (entspricht 3,4% der Männer mit sexuellen Fantasien mit Kindern). Bezieht man zusätzlich das für die Diagnose Pädophilie erforderliche Kriterium soziale Beeinträchtigung / Leid in die Schätzung der Prävalenz mit ein, berichteten 0,07% mehr sexuelles Interesse an Kindern zu haben als an Erwachsenen. Hinsichtlich der Prävalenz der Pädophilie liegt die Schätzung damit deutlich unter denen bisheriger Studien (weniger als 1%, Ahlers et al., 2011), die aber weniger konservative Kriterien anlegten (kein relativ erhöhtes sexuelles Interesse an Kindern im Vergleich zu Erwachsenen).

 

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Welche Merkmale haben Männer mit sexuellem Interesse an Kindern?

Als charakteristische Merkmale ließen sich antisoziale Merkmale, geringere Beziehungsdauer und die Wahrnehmung eines Risikos für Kindesmissbrauch identifizieren.


Männer mit sexuellem Interesse an Kindern haben…

  • antisoziale Merkmale
  • geringere Beziehungsdauer
  • Wahrnehmung eines Risikos für Kindesmissbrauch
  • jüngeres Alter
  • stärkeres sexuelles Verlangen


Ein Blick auf die Bedeutung sexuellen Interesses an Kindern für Missbrauchsverhalten zeigte, dass diejenigen, die Kinder gegenüber Erwachsenen nicht bevorzugen, geschweige denn die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie erfüllten, häufiger sexuellen Kindesmissbrauch berichteten. Die Ergebnisse bestätigen damit bisherige internationale Studienergebnisse im Hellfeld, nach denen sexuelle Fantasien nicht zwingend in Missbrauchsverhalten münden (Seto & Lalumière, 2001), auch für die männliche Bevölkerung in Deutschland. Die Ursachen für Kindesmissbrauch und/oder Nutzung von Missbrauchsabbildungen muss demnach bei ca. der Hälfte aller Täter nicht in sexuellen Fantasien mit Kindern sondern anderen Tätermerkmalen gesucht werden.


Nicht alle Männer mit sexuellen Fantasien zu Kindern sind Täter.

  • 56% der Männer mit sexuellen Fantasien mit Kindern sind Nicht-Täter.
  • Auf die Gesamtstichprobe bezogen: 2,4% berichten Fantasien zu sexuellen Handlungen mit Kindern, ohne diese in die Tat umzusetzen.


Von der Mehrheit der Männer mit sexuellem Interesse an Kindern wird das sexuelle Interesse nicht als belastend wahrgenommen. Damit verbunden: weniger als 1 unter 1000 Männern erfüllen wahrscheinlich die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie.

 

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Welche Ursachen kann sexuelles Interesse an Kindern haben?

Als Ursachen eines sexuellen Interesses an Kindern ließen sich vermutete erbliche Einflüsse nicht bestätigen. Verglichen mit anderen Umweltfaktoren war der Einfluss genetischer Faktoren eher gering. Zu 85% sind Umweltfaktoren beeinflussend (A1). Auch Lernerfahrungen oder Konditionierung boten kein zuverlässiges Erklärungsmodell (A2). Als ursächlich für ein sexuelles Interesse in konkreten Situationen (z. B. bei der Betrachtung von Pornografie) könnte sexuelle Erregung sein: diese enthemmt Frauen und Männer und erhöht die Wahrscheinlichkeit, Jüngere als potenzielle Sexualpartner anzusehen (A4).

 

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Wie viele sexuelle Kindesmissbraucher finden sich in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?

 

1,4% berichteten ein Kind im Alter von 12 Jahren und jünger missbraucht zu haben.*

  • 0,4% berichteten von sexuellen Handlungen mit Kindern gegen Bezahlung („Kinderprostitution“).

*gewichtete Angabe zugunsten der Repräsentativität der Befragung


Im Vergleich zu bisherigen Schätzungen sind diese Ergebnisse im unteren Bereich einzuordnen (3,8%, Ahlers et al., 2011). Ein Viertel der Kindesmissbraucher hat Kinder sexuell ausgebeutet (entspricht 0,4% Männer mit sexuellen Handlungen mit Kindern gegen Bezahlung in der Bevölkerung). Fast die Hälfte der Kindesmissbraucher gab an, zusätzlich bereits Missbrauchsabbildungen genutzt zu haben (entspricht 0,7% Täter beider Delikte in der Bevölkerung). Zwei Drittel berichteten von sexuellen Fantasien mit Kindern und ein Fünftel bekundete Therapieinteresse.


Das Dunkelfeld der Kindesmissbraucher ist groß.

  • 84% der Kindesmissbraucher sagten, noch keine Vorstrafe für ein Sexualdelikt zu haben.

 

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Welche Merkmale haben sexuelle Kindesmissbraucher?

Als charakteristische Merkmale ließen sich die aus bisherigen Hell- und Dunkelfeldstudien bekannten Merkmale bestätigen: Ein sexuelles Interesse an Kindern  (die Wahrnehmung von Kindern als sexuell attraktiv und eher sexuelle Fantasien mit Kindern als mit Erwachsenen), eine maximale Beziehungsdauer zu einem Erwachsenen von zwei Jahren, antisoziale Merkmale, die Selbsteinschätzung, ein hohes Risiko für eine Wiederholungstat zu haben sowie eigene sexuelle Viktimisierung.

Grundsätzlich bestätigen ließ sich auch, was Evolutionstheoretiker bereits länger vermuteten, nämlich dass nicht-biologische Familienmitglieder eher Täter werden als biologische Familienmitglieder (A1). Es zeigte sich auch, dass sexuelle Erregung durch Inzestszenarien, die subjektive Bereitschaft erhöhte, intrafamiliären Kindesmissbrauch zu begehen.

 

Sexuelle Kindesmissbraucher kennzeichnen…

  • nur zu 2/3 sexuelle Fantasien mit Kindern
  • antisoziale Merkmale
  • max. zwei Jahre in Beziehung zu einem Erwachsenen
  • Wahrnehmung eines Risikos für erneuten Kindesmissbrauch
  • eigene sexuelle Viktimisierung
  • zu 1/5 Interesse an Therapie

 

Betroffene Jugendliche und Erwachsene berichteten zu knapp 1/3 von intrafamiliären Tätern und Täterinnen (DO1). Von Täterinnen insbesondere berichteten - vergleichbar mit früheren Betroffenenbefragungen - bis zu einem Drittel Betroffener  sexuellen Kindesmissbrauchs (vor allem männliche Betroffene) (DO1, DO2).

Die Analyse der Bundeszentralregisterauszüge verurteilter Sexualstraftäter gegen Kinder und Jugendliche ergab, dass die mittlere Zeit bis zu erneuten Kriminalität im Hellfeld dre Jahre betrug. Nach fünf Jahren wurden 19,7% der in 2008 wegen Kindesmissbrauch und 10% der wegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografiedelikten Verurteilten für Delikte wie Betrug, Diebstahl, Körperverletzung, Verkehrsdelikte oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz abgeurteilt. Kindesmissbraucher hatten im Vergleich zu Kinderpornografienutzern ein doppelt so hohes Risiko für einen nicht-einschlägigen Rückfall. Berücksichtigt man, dass insbesondere eine antisoziale Persönlichkeitsstruktur als starker Prädiktor für generelle Rückfälligkeit gilt (Hanson & Bussiere, 1998; Hanson & Morton-Bourgon, 2005), lassen die Ergebnisse vermuten, dass Kindesmissbraucher stärker durch antisoziale Merkmale gekennzeichnet sind als Kinderpornografienutzer. Hinsichtlich einschlägiger Rückfälle wurden insgesamt 1,9% der Kindesmissbraucher und 5% der Täter beider Delikte mit einem Kindesmissbrauchsdelikt rückfällig. Eine zeitnahe Hellfeldanalyse kam zu einer vergleichbaren Rückfallquote (ca. 4%, Jehle et al., 2013). Täter beider Delikte hatten wie erwartet das höchste Risiko für einen einschlägigen Rückfall: Im Vergleich zu Kinderpornografienutzern und Kindesmissbrauchern hatten Täter beider Delikte ein drei- bis vierfach höheres Risiko einschlägig rückfällig zu werden.

Zusammen mit Merkmalen, die schon in früheren Studien Täter beider Delikte von Kinderpornografienutzern und Kindesmissbrauchern klar unterschieden (Babchishin et al., 2013), unterstützen die vorliegenden MiK Ergebnisse die Annahme, dass Täter mit beiden Delikten eine Hochrisikogruppe darstellen. Die Ergebnisse unterstützen auch internationale Vergleichsstudien, nach denen sexuelle Kindesmissbraucher eine überwiegend männliche Tätergruppe mit vor allem antisozialen Merkmalen und einem sexuellen Interesse an Kindern sind. Kritisch bewertet werden muss die Bedeutung der eigenen sexuellen Viktimisierung als Charakteristikum von sexuellen Kindesmissbrauchern. Inwieweit eine eigene sexuelle Viktimisierung ursächlich mit einem sexuellen Interesse an Kindern und/oder Kindesmissbrauch zusammenhängt, ließe sich nur in einer prospektiven Studie belegen. Unklar ist auch, ob die Viktimisierung als belastend erlebt wird und/oder möglicherweise die Therapiemotivation beeinflusst. Auch die internationale Datenlage zum Zusammenhang von sexueller Viktimisierung und sexuellem Kindesmissbrauch ist nach wie vor uneinheitlich. Die Häufigkeit, mit der extrafamiliärer Missbrauch im Vergleich zu intrafamiliärem Missbrauch berichtet wurde und die Häufigkeit, mit der in diesem Zusammenhang Freunde oder Partner als Täter benannt wurden, sollte zukünftig noch genauer untersucht werden. Mehr Untersuchungen zu Frauen als Täterinnen sind zudem dringend erforderlich.

 

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Wie viele Nutzer von Missbrauchsabbildungen finden sich in der männlichen Bevölkerung Deutschlands?

 

2,2% Männer in Deutschland berichteten, schon einmal Missbrauchsabbildungen von Kindern zu ihrer sexuellen Erregung genutzt zu haben.*

*gewichtete Angabe zugunsten der Repräsentativität der Befragung

 

Im internationalen Vergleich fanden sich eine höhere Prävalenz (4,2%, Seto et al., 2014), die sich aber auf das höhere Alter der deutschen Stichprobe zurückführen lassen (weniger internetaffin). Aber auch wenn in Deutschland weniger angeben, Nutzer von Missbrauchsabbildungen zu sein als vergleichbare Studien vermuten ließen, verblieb die überwiegende Mehrheit der Täter im Dunkelfeld.

 

Das Dunkelfeld der Nutzer von Missbrauchsabbildungen ist groß.

  • 89% der Nutzer von Missbrauchsabbildungen sagten, noch keine Vorstrafe für ein Sexualdelikt zu haben .

 

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Welche Merkmale haben Nutzer von Missbrauchsabbildungen?

Der überwiegende Teil berichtete, ausschließlich Missbrauchsabbildungen konsumiert zu haben (entspricht 1,5% ausschließlicher Nutzer in der männlichen Bevölkerung). Mehr als ein Viertel (29%) gab an, mindestens einmal zusätzlich sexuellen Kindesmissbrauch begangen zu haben (entspricht 0,7% Täter beider Delikte in der männlichen Bevölkerung). Mehr als die Hälfte berichtete von sexuellen Fantasien mit Kindern (57%) und ein Viertel bekundete Therapieinteresse. Als charakteristische Merkmale ließen sich in der Bevölkerungsstichprobe das sexuelle Interesse an Kindern (die Wahrnehmung von Kindern als sexuell attraktiv, mehr sexuelle Fantasien mit Kindern als mit Erwachsenen und mehr indirekt gemessenes Interesse an Kindern als an Erwachsenen) und weniger antisoziale Merkmale identifizieren. Diese Ergebnisse unterstützen insgesamt internationale Vergleichsstudien (Babchishin et al., 2013).

Nutzer von Missbrauchsabbildungen mit Kindesmissbrauch ließen sich dagegen eher durch die Merkmale sexueller Kindesmissbraucher charakterisieren: sie zeigten im Vergleich zu den anderen Tätergruppen ein drei- bis vierfach höheres Risiko, einschlägig rückfällig zu werden und müssen auf der Basis aller Merkmalsanalysen als Hochrisikogruppe eingeschätzt werden.

 

Nutzer von Missbrauchsabbildungen, die keinen zusätzlichen Missbrauch begangen haben, kennzeichnen…

  • nur zu 57% sexuelle Fantasien mit Kindern
  • zusätzliche Nutzung von Posing-Darstellungen und eine vermehrte Nutzung von Abbildungen postpubertärer Jugendlicher / Erwachsener
  • weniger antisoziale Merkmale
  • ein geringeres Risiko, erneut verurteilt zu werden
  • zu 1/4 Interesse an Therapie

 

Die Analyse der Bundeszentralregisterauszüge verurteilter Sexualstraftäter gegen Kinder und Jugendliche ergab, dass die Hälfte der in 2008 verurteilten Sexualstraftäter Kinderpornografiedelikte (52,5%) begangen haben, weitere 2,3% waren Täter beider Delikte. Diese machten somit die kleinste Tätergruppe im Jahr 2008 aus. Für Kinderpornografiedelikte Verurteilte wurden durchschnittlich nach drei Jahren nicht-einschlägig oder einschlägig wiederverurteilt: 7,9% der in 2008 wegen Kinderpornografiedelikten und 10% der wegen Kinderpornografiedelikten und Kindesmissbrauch Verurteilten wurden in 2013 für nicht einschlägige Delikte abgeurteilt (Betrug, Diebstahl, Körperverletzung, Verkehrsdelikte oder Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz).

Hinsichtlich einschlägiger Rückfälle wurden insgesamt 2,6% der Kinderpornografietäter und 3,3% der Täter beider Delikte mit einem Kinderpornografiedelikt rückfällig. Bisherige Hellfeldanalysen legten eine vergleichbare Rückfallquote bei Kinderpornografienutzern mit und ohne Missbrauchsdelikt nahe (knapp 4% Eke et al., 2011; Endrass et al., 2009). Im Vergleich zu Kindesmissbrauchern hatten ausschließlich für Kinderpornografiedelikte Verurteilte das niedrigste Rückfallrisiko.

 

Sexueller Kindesmissbrauch und die Nutzung von Missbrauchsabbildungen

  • Fast 1/2 der Kindesmissbraucher gab an zusätzlich schon einmal Missbrauchsabbildungen von Kindern genutzt zu haben.
  • Mehr als 1/4 der Nutzer von Missbrauchsabbildungen gab an zusätzlich schon einmal Kindesmissbrauch begangen zu haben.
  • Verurteile Kindesmissbraucher mit Kinderpornografiedelikten hatten ein 3-4fach höheres Risiko, nach fünf Jahren einschlägig wiederverurteilt zu werden.

 

Die Ergebnisse bestätigten die bisheriger Hellfeldstudien, nach denen für Kinderpornografiedelikte Verurteilte die geringsten Rückfallquoten und weniger antisoziale Merkmale haben (Faust, Bickart, Renaud, & Camp, 2014; Long et al., 2012; McCarthy, 2010). Im Unterschied zu Hellfeldstatistiken kommen Dunkelfeldstudien aber zu erheblich höheren Rückfallquoten, sogar in einem klinischen Setting nach Abschluss einer Therapie (64,7%; Kuhle, Konrad, Scherner, & Beier, 2013). Es ist so eher davon auszugehen, dass Hellfeldstatistiken die Güte der Strafverfolgung widerspiegeln und weniger das tatsächliche (wiederholte) Tatgeschehen. Die Problematik von Kriminalstatistiken zeigt sich auch darin, dass die Gruppe der Täter beider Delikte im Hellfeld die kleinste Tätergruppe des Jahres 2008 war (2,3%). Über die Studien im Dunkelfeld hinweg gaben aber zwischen 20 und 30% der Nutzer von Missbrauchsabbildungen an, zusätzlich mindestens einmal Kindesmissbrauch begangen zu haben. Auch frühere Studien zeigten, dass  zwischen 55% und 85% verurteilter Kinderpornografietäter auch Kindesmissbrauch im Dunkelfeld einräumten (Bourke & Hernandez, 2009; Eke, Seto, & Williams, 2011). Es ist daher anzunehmen, dass nur ein geringer Teil von Kindesmissbrauchsdelikten bei Kinderpornografienutzern von den Strafverfolgungsbehörden entdeckt wird und die Dokumentation über BZR-Auszüge unzureichend ist. Hellfeldstatistiken wären damit für die Entwicklung von Präventionsansätzen wenig aussagekräftig. Dies erweist sich als besonders problematisch, weil Nutzer von Missbrauchsabbildungen mit Kindesmissbrauch im Vergleich zu den anderen Tätergruppen ein drei- bis vierfach höheres Risiko zeigten, einschlägig rückfällig zu werden und auf der Basis weiterer Merkmalsanalysen (vgl. Kindesmissbraucher) als Hochrisikogruppe eingeschätzt werden müssen.

 

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Wie viele Täter finden sich in der männlichen Bevölkerung Deutschlands insgesamt?

Zusammenfassend kann die Prävalenz von Tätern auf 3,2% geschätzt werden (gewichtete Angabe zugunsten der Repräsentativität). Am häufigsten ist die Nutzung von Missbrauchsabbildungen (Abbildung enthält ungewichtete Angaben).

 

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Im Längsschnitt werden genauso viele Kindesmissbraucher nach fünf Jahren erstmalig für Kinderpornografiedelikte verurteilt (0,5%) wie umgekehrt diese erstmalig für Kindesmissbrauch (0,6%) (Mik4). Hinweise darauf, dass die Nutzung von Missbrauchsabbildungen zu Kindesmissbrauch führt (cross over), ließen sich demnach nicht finden.

 

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Wie groß ist die Therapiebereitschaft von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern und wovon wird sie beeinflusst?

13,8% der Männer mit sexuellen Fantasien mit Kindern haben schon einmal darüber nachgedacht, diesbezüglich therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für Männer, die sowohl Interesse an Jungen als auch an Mädchen zeigten, erhöhte sich der Anteil auf mehr als ein Drittel (38,5%), was auf deren substantielles Stresserleben verweist. An Therapie interessiert zeigten sich insbesondere Täter beider Delikte (41% dieser Tätergruppe) und Männer, die Kinder gegenüber Erwachsenen präferieren (43-50% der Präferenzgruppen). Die diagnostischen Kriterien einer Pädophilie erfüllten weniger als 0,1% der männlichen Bevölkerung (mehr sexuelles Interesse an Kindern als an Erwachsenen und Therapieinteresse).

 

Einige Männer mit sexuellem Interesse an Kindern wollen eine Therapie.

  • Knapp 14% wären für eine präventive Therapie erreichbar.

 

Die Therapiebereitschaft ist je nach sexuellem Interesse oder bereits begangener Tat unterschiedlich. Das Therapieinteresse ist besonders bei Hochrisikogruppen (Tätern beider Delikte, ausgeprägtes sexuelles Interesse an Kindern) gegeben (siehe Abbildungen).

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Die Befragung von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern zeigte ergänzend, dass die Therapiebereitschaft mit emotionalen und sozialen Problemen (Einsamkeit, Selbstwert, Stressbewältigung) und der Angst vor Entdeckung assoziiert ist. Eine starke Bagatellisierung des sexuellen Interesses an Kindern oder das Ausmaß vermuteter Stigmatisierung z. B. durch Ärzte und Therapeuten hing nicht mit der Therapiebereitschaft zusammen. Abschreckend wirkte dagegen, dass  Ärzten und Psychotherapeuten nicht zugetraut wurde, die Probleme von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern nachzuvollziehen (A5)

 

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Die Ergebnisse verweisen insgesamt auf ein geringeres Therapieinteresse als erwartet, dafür aber auf ein substanzielles Stresserleben und Therapieinteresse bei Hochrisikogruppen.

 

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Welche Merkmale haben Täter mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung?

 

Täter mit Kontakt zu Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit stellen eine quantitativ bedeutsame Täteruntergruppe.

  • 20% der sexuellen Kindesmissbraucher und/oder Nutzer von Missbrauchsabbildungen in der Bevölkerung geben Kontakt zu Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit an.
  • Die Prävalenz in der männlichen Allgemeinbevölkerung kann auf 0,6% geschätzt werden.

 

Unter inhaftierten Kindesmissbrauchern fanden sich zu 16% Männer, die Kinder im Beruf oder im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit missbrauchten (Mik3). Betroffene Jugendliche berichteten zu 2-4% institutionelle Täter (DO1, DO2)

 

Täter in der Bevölkerung mit Kontakt zu Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit kennzeichnen…

  • frühere Erfahrungen mit „Kinderprostitution“
  • antisoziale Merkmale
  • sexuelle Fantasien mit Kindern
  • eigene sexuelle Viktimisierung
  • gedankliche Befassung mit Sex und Pornografie

 

Charakteristisch für diese Täter mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeit in der Bevölkerung waren im Vergleich zu Tätern ohne Kontakt frühere Erfahrungen mit Kindersextourismus und Kinderprostitution und (weitere) antisoziale Merkmale, sexuelle Fantasien mit Kindern, eigene sexuelle Viktimisierung, und eine gedankliche Befassung mit Sex und Pornografiekonsum. Bisherige Studienergebnisse auf der Basis forensischer Stichproben von zumeist ausschließlichen Kindesmissbrauchern mit beruflichem Kontakt zu Kindern ließen ältere Täter mit weniger antisozialen Merkmalen und sexuellem Interesse an Kindern erwarten (Sullivan & Beech, 2004; Sullivan et al., 2011).

 

Diese Ergebnisse ließen sich für Täter im intramuralen Setting auch bestätigen, denn charakteristisch für inhaftierte Kindesmissbraucher mit beruflichem Kontakt zu Kindern waren im Vergleich zu anderen Kindesmissbrauchern weniger antisoziale Merkmale (weniger Vorstrafen mit einem Sexual- oder Gewaltdelikt, insgesamt weniger Zeit in Haft, gute soziale Integration, seltener Probleme mit Alkohol oder illegalen Drogen und seltener die Diagnose einer antisozialen Persönlichkeitsstörung), häufiger ein sexuelles Interesse an Kindern und mehr Opfer (insbesondere Jungen).

 

Inhaftierte sexuelle Kindesmissbraucher, die Kontakt zu Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeithatten, kennzeichnen…

  • weniger antisoziale Merkmale als andere inhaftierte Kindesmissbraucher
  • zum Zeitpunkt der Verurteilung älter als andere inhaftierte Kindesmissbraucher
  • sexuelles Interesse an Kindern (insbes. Jungen)

 

Tätigkeiten inhaftierter Kindesmissbraucher mit Kontakt zu Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit:

 

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Die Rückfallrate der Inhaftierten lag für einschlägige Delikte mit 13,5% über der psychotherapeutisch behandelter institutioneller Kindesmissbraucher (Montana et al., 2012). Allgemeine und gewalttätige Rückfälle kamen nicht vor, was die Annahme bestätigt, dass Kindesmissbraucher im beruflichen Kontakt zu Kindern weniger antisoziale Merkmale aufweisen. Der Rückfall eines inhaftierten Kindesmissbrauchers mit beruflichem Kontakt zu Kindern konnte mit dem Verfahren „Static-99“ (Hanson & Thornton, 2000) vorhergesagt werden. Alle anderen in der Praxis gängigen Verfahren waren ungeeignet.

Der regelmäßige Kontakt mit Kindern im Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit für Kindesmissbrauch aber nur dann, wenn antisoziale Merkmale, ein ausgeprägtes sexuelles Interesse an Kindern und eine höhere Befassung mit Sexualität / Pornografie zusammentreffen. Hinsichtlich dieser z. T. charakteristischen Merkmale scheinen sich aber Täter in der Allgemeinbevölkerung von denen in Haft zu unterscheiden: während inhaftierte Kindesmissbraucher mit beruflichem Kontakt zu Kindern, wie bereits in  früheren Hellfeld-Studien gezeigt, weniger antisoziale Merkmale aufweisen und zum Zeitpunkt der Verurteilung älter sind, haben Täter in der Bevölkerung mehr antisoziale Merkmale und sind jünger. Möglicherweise wird Kindesmissbrauch im beruflichen Kontakt zu Kindern später justizbekannt, was auf besondere Strategien hinweisen oder Folge einer besseren sozialen Integration dieser Tätergruppe sein könnte (Haywood et al., 1996; Sullivan & Beech, 2004). Die Unterschiede lassen sich aber auch durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Stichproben erklären: Täter der Allgemeinbevölkerung waren nämlich überwiegend Nutzer von Missbrauchsabbildungen und nicht wie die Gruppe der inhaftierten Täter ausschließliche Kindesmissbraucher. Nutzer von Missbrauchsabbildungen erwiesen sich in früheren anderen Studien aber wiederholt als jünger und zeigten eine stärkere gedankliche Befassung mit Sex, Pornografie und sexuellem Interesse an Kindern. Letzteres ist unabhängig vom Setting allen Tätern mit beruflichem oder Freizeit-Kontakt zu Kindern gemein.

 

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Wie viele Erwachsene haben sexuelle Onlinekontakte zu Kindern und Jugendlichen und was kennzeichnet sie?

Sexuelle Online-Interaktionen oder -Verhaltensweisen berichteten 26% der Befragten (Versenden / Erhalt sexueller oder freizügiger Bilder, Cybersex, Offline-Treffen, sexuelle Aktivitäten offline). Ein Fünftel von diesen hatte sexuelle Onlinekontakte mit Minderjährigen (19% Jugendliche und/oder 5% Kinder; entspricht 5,3% der Gesamtstichprobe).

 

Verteilung des Kontaktalters bei Onlineinteraktionen insgesamt (N = 967)

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Verteilung des Kontaktalters bei sexueller Onlineinteraktion (N = 581)

tl_files/mikado/upload/images/Onlinekontakte Alter.jpg

 

Die Häufigkeitsangaben Erwachsener liegen unter denen befragter Jugendlicher, da wenige Erwachsene mehrere Kinder oder Jugendlichen im Internet kontaktieren (Jones et al., 2012; Livingstone et al., 2011; Wachs et al., 2012). Ergebnisse bisheriger Betroffenenstudien, nach denen Erwachsene eher  Kontakt zu Jugendlichen als zu Kindern aufnehmen, ließen sich bestätigen (Briggs et al., 2011; Jones et al., 2012; Livingstone et al., 2011; Quayle et al., 2012; Webster et al., 2012).

 

10% erwachsener Internetnutzer haben online Kontakt zu ihnen unbekannten Kindern und Jugendlichen

  • Von allen mit Onlinekontakten hatten 22% Kontakt zu Jugendlichen (14-17 Jahre) und 6,4% zu Kindern (13 Jahre und jünger)
  • 5,3% der Erwachsenen berichteten mindestens einen sexuellen Onlinekontakt.
  • Von allen mit sexuellen Onlinekontakten hatten 19% Kontakt zu Jugendlichen und 5% zu Kindern.

 

Anders als nach früheren Betroffenenstudien erwartet, wurden Jungen und Mädchen gleich häufig kontaktiert. Jugendliche wurden aber eher kontaktiert als Kinder. Von Cybersex oder Pornografie waren Kinder und Jugendliche dennoch gleich betroffen. Vorherige Studien fanden häufiger Mädchen als Betroffene und betonten das Gefahrenpotential für weibliche Jugendliche (Jones et al., 2012; Livingstone et al., 2011; Wachs et al., 2012; Quayle et al., 2012). Möglicherweise berichten Jungen in Betroffenenbefragungen sexuell grenzverletzende Erfahrungen insbesondere im Kontakt mit Frauen seltener (Finkelhor, 1980; Wijkman et al., 2010.

 

12% derer mit sexuellen Onlinekontakten traf sich mit den Kindern und Jugendlichen offline (entspricht 3% der Gesamtstichprobe) und 9% hatte dabei sexuelle Kontakte (entspricht 1,8% der Gesamtstichprobe). In 100% der Offlinetreffen mit Kindern kam es zu sexuellen Handlungen.

 

3% erwachsener Internetnutzer haben sich mit Kindern oder Jugendlichen getroffen, zu denen sie vorher online Kontakt hatten.

  • Von allen mit sexuellen Onlinekontakten zu Minderjährigen hatten 12% Offlinetreffen mit den Kindern / Jugendlichen.
  • 1,8% hatten Sex bei Offlinetreffen mit Minderjährigen.

 

Sexuelle Onlinekontakte zu Minderjährigen mündeten somit zu einem Drittel auch in sexuellen Offlinekontakten, aber auch nicht-sexuelle Onlinekontakte führten zu sexuellen Offlinetreffen.

 

Erwachsene Internetnutzer mit sexuellem Online-Kontakt zu ihnen unbekannten Kindern und Jugendlichen kennzeichnen…

  • gute Bildung
  • junges Alter,
  • sexuelles Interesse an Jugendlichen,
  • männliches Geschlecht
  • ABER: knapp 1/4 sind Frauen

 

Die Mehrheit der Erwachsenen mit sexuellen Onlinekontakten zu Minderjährigen waren Männer. 17% derer mit Kontakt zu Kindern und 24% derer mit Kontakt zu Jugendlichen waren Frauen. Charakteristisch ist ein hohes Bildungsniveau, sexuelles Interesse an Kindern und junges Alter. Personen mit sexuellem Interesse an Kindern und/oder Jugendlichen (Teilnehmer von Pädophilen-Websites) berichteten mehr sexuelle Onlinekontakte zu Jugendlichen (59%) und Kindern (79%), öfter sexuelle Onlinekontakte zu Jungen sowie öfter sexuelle Aktivitäten während der Offlinetreffen als andere Erwachsene mit Kontakt zu Minderjährigen.

 

1/3 erwachsener Internetnutzer im sexuellen Online-Kontakt zu ihnen unbekannten Kindern und Jugendlichen nutzt Täuschungsstrategien

  • am häufigsten geben Erwachsene sich als jünger aus
  • Geheimhaltung und Pseudointimität sind typische Strategien im Kontakt mit Kindern

 

32,5% der Erwachsenen mit sexuellen Onlinekontakten zu Jugendlichen und 41% derer mit sexuellen Onlinekontakten zu Kindern berichteten Täuschungsstrategien. In Studien mit untergebrachten Straftätern berichteten 20–50% von Manipulation eigener Identität (Briggs et al., 2011; Malesky, 2007; Shannon, 2008; Wolak et al., 2004) insbesondere dem Alter (Quayle et al., 2012; Whittle et al., 2013).

Im Kontakt zu Kindern gaben Erwachsene insbesondere vor, jünger zu sein (selten aber jünger als 18 Jahre), jemand anderes (anderes Foto) oder ein Bekannter. Um Geheimhaltung zu bitten, war die bevorzugte Strategie im Kontakt mit Kindern (33%), weniger als im Kontakt mit Jugendlichen (18%), insbesondere aber verheimlichten die Erwachsenen ihre sexuellen Onlinekontakte (71% Kinder, 31% Jugendliche) und Offlinetreffen (71% Kinder, 23% Jugendliche). Beeinflussungsstrategien wurden zu 35% bei Kindern und zu 13% bei Jugendlichen angewendet, insbesondere Geld, Geschenke oder Druckmittel (z. B. Veröffentlichung zuvor versendeter Bilder) und erwiesen sich als besonders „nützlich“, wenn von Minderjährigen Bilder gesendet werden sollten. Alle Strategien führten häufiger zu Cybersex. Nur Geheimhaltungsstrategien „begünstigten“ Offlinetreffen.

 

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Wie groß ist das Ausmaß an Stigmatisierung von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern und welche Folgen haben Vorbehalte?

 

Die Vorbehalte gegenüber Männern mit sexuellem Interesse an Kindern ohne kriminelles Verhalten (Stigmatisierung) sind groß (A5)

  • Bis zu 49% plädierten für Präventivhaft
  • Bis zu 27% wünschten auch Nicht-Tätern mit sexuellem Interesse an Kindern den Tod.

 

Negative Einstellungen gegenüber Männern mit sexuellem Interesse an Kindern erwiesen sich im Vergleich zu anderen stigmatisierten Risikogruppen (Alkoholiker, Menschen mit sadistischen Vorlieben, Menschen mit antisozialen Persönlichkeitszügen) selbst dann als stärker ausgeprägt, wenn betont wurde, dass diese bislang weder Kindesmissbrauch begangen noch Missbrauchsabbildungen genutzt haben.

 

Die Wahrnehmung von Stigmatisierung bei Männern mit sexuellem Interesse an Kindern führt zu emotionalen, körperlichen und sozialen Funktionsbeeinträchtigungen.

 

Männer mit sexuellem Interesse an Kindern bestätigten das hohe Maß an wahrgenommenem Stigma und eine große Angst vor Entdeckung.

 

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Vor dem Hintergrund bisheriger Studienergebnisse muss befürchtet werden, dass diese Einschränkungen die Fähigkeit von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern, ihre sexuellen Bedürfnisse zu kontrollieren, untergraben und dadurch das Risiko für sexuellen Kindesmissbrauch und/oder die Nutzung von Missbrauchsabbildungen erhöhen.

 

Die Wahrnehmung von Stigmatisierung bei Männern mit sexuellem Interesse beeinflusst die Therapiebereitschaft nicht.

  • Die Motivation, sich an Ärzte oder Psychotherapeuten zu wenden, war nicht beeinflusst von der wahrgenommenen Stigmatisierung.
  • Ärzten und Psychotherapeuten wurde nicht zugetraut, Probleme von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern nachzuvollziehen.

 

Zugleich berichteten 40% angehender Therapeuten Ärger bei Pädophilie zu empfinden. Eine aufklärende Kurzintervention erwies sich bei Therapieauszubildenden als hilfreich zur Verringerung stigmatisierender Einstellungen und negativer Gefühle, jedoch nicht zur Steigerung der Behandlungsbereitschaft gegenüber Patienten mit Pädophilie.

 

Die Therapiebereitschaft von Psychotherapeuten bei Pädophilie ist abhängig vom kriminellen Verhalten.

  • 80% würden einen Pädophilen ohne kriminelles Verhalten therapieren.
  • 40% würden einen Pädophilen mit kriminellem Verhalten therapieren.

 

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