:: Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs, der Nutzung von Missbrauchsabbildungen und sexueller Onlinekontakte mit Minderjährigen

Aus den Erkenntnissen zu (potenziellen) Tätern in den Studien im Modul MiK und A lassen sich zusammenfassend eine Reihe von Maßnahmeempfehlungen zur Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention ableiten:

Die Prävalenz der sexuellen Kindesmissbraucher, Nutzer von Missbrauchsabbildungen und Nicht-Täter in der männlichen deutschen Allgemeinbevölkerung unterstreicht die Bedeutung einer Verstetigung präventiver Therapieangebote für Dunkelfeld- und potenzielle Täter.

 

Präventive Therapie im Dunkelfeld

  • Verstetigung präventiver Therapieangebote für Dunkelfeld- und potenzielle Täter.
  • Erweiterung bestehender Präventionsangebote und Forschungsbemühungen auf Dunkelfeldtäter ohne sexuelles Interesse an Kindern (sog. „Ersatzhandlungstäter“).

 

Unterschiedliche Merkmale und Motivationen sexueller Kindesmissbraucher unterstützten Forderungen von Opferschutzverbänden nach einer stärkeren Berücksichtigung von Tätermerkmalen, die über ein sexuelles Interesse an Kindern hinausgehen. Wünschenswert wäre eine systematische Erweiterung der bestehenden Präventionsangebote und Forschungsbemühungen für Dunkelfeldtäter ohne sexuelles Interesse an Kindern und eine evidenzbasierte an die Charakteristika dieser Zielgruppe angepasste Aufklärung und Medienkampagne.

 

Sicherstellung des therapeutischen Nachwuchses

  • Aufklärung, Antistigmatisierungsinterventionen und spezifische Qualifikation potenzieller Therapeuten zur Abwendung theapeutischer Unterversorgung
  • Evaluation von Qualifikations- und Versorgungsmaßnahmen.
  • Anreize für evidenzbasierte präventive (Täter)Therapie im Rahmen differenzierter Vergütungsmodelle durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

 

Da das Ausmaß der Stigmatisierung von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern groß ist, droht aber insbesondere Dunkelfeldtätern mit sexuellem Interesse an Kindern eine therapeutische Unterversorgung. Eine Aufklärung potenzieller Adressaten von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern (inkl. Hausärzten, Therapeuten, Beratungsstellen, Seelsorger…) über Antistigmatisierungskampagnen kann Vertrauen und die Therapiebereitschaft der Zielgruppen  erhöhen, zur psycho-sozialen Stabilisierung beitragen und so das Risiko für sexuellen Kindesmissbrauch und/oder die Nutzung von Missbrauchsabbildungen reduzieren. Um einer therapeutischen Unterversorgung weiter entgegen zu wirken, wäre eine spezifische Qualifikation potenzieller Therapeuten (inkl. Antistigma-Kurzintervention) erforderlich und eine Evaluation der Qualifikationsmaßnahmen wünschenswert. Für eine flächendeckende therapeutische Anbindung von Männern mit sexuellem Interesse an Kindern müsste das BMG Anreize für evidenzbasierte präventive Therapie von Männern im Rahmen differenzierter Vergütungsmodelle bieten.

 

Verbesserte Ermittlung und Therapie im Hellfeld

  • Gesonderte Berücksichtigung der Nutzer von Missbrauchsabbildungen mit zusätzlichem Missbrauchsdelikt als Hochrisikogruppe in der polizeilichen Ermittlungsarbeit
  • Nutzung von Bildinhalten als Evidenz für die Ermittlungsarbeit und Dokumentation des sexuellen Entwicklungsstadiums ("Alters") der abgebildeten Kinder.
  • Ausweitung therapeutischer Angebote für Nutzer von Missbrauchsabbildungen im Hellfeld (Stichwort “Gerichtliche Therapieauflage“).

 

Sinnvoll ist eine Ausweitung gezielter therapeutischer Angebote für Nutzer von Missbrauchsabbildungen im Hellfeld (Stichwort “Gerichtliche Therapieauflage“). Insbesondere Nutzer mit zusätzlichem Missbrauchsdelikt sollten als Hochrisikogruppe in der polizeilichen Ermittlungsarbeit mehr Berücksichtigung finden, da diese Tätergruppe in der polizeilichen Kriminalstatistik deutlich unterrepräsentiert ist, obwohl sie vorwiegend Abbildungen jüngerer Kinder nutzt und das höchste Risiko hat, wiederholt straffällig zu werden. Die Bildinhalte sollten als Evidenz für die Ermittlungsarbeit genutzt und die sexuelle Reife der abgebildeten Kinder dokumentiert werden (Verdacht auf Kindesmissbrauch bei jüngeren Kindern). Hinweise darauf, dass die Nutzung von Missbrauchsabbildungen zu Kindesmissbrauch führt (cross over), ließen sich nicht finden.

 

Gezielte Präventionsmaßnahmen bei Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung

  • Vorlage eines Führungszeugnisses alleinig wenig zielführend.
  • Risikoprognostik mit Erfassung früherer sexueller und nicht-sexueller Straffälligkeit, Intelligenz, Bildung und Manipulationsstrategien.
  • Etablierung von Erhebungsinstrumenten, die helfen, das sexuelle Interesse an Kindern zu erfassen.

 

Für die Prävention bei Kindesmissbrauchern und Nutzern von Missbrauchsabbildungen mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung ist kritisch anzumerken, dass die Vorlage eines Führungszeugnisses wenig zielführend ist, wenn weitere Studien bestätigen sollten, dass Kindesmissbraucher mit beruflichem Kontakt zu Kindern später justizbekannt werden. Angesichts der Bedeutung sexuellen Interesses an Kindern bei dieser Tätergruppe können Erhebungsinstrumente helfen, die das sexuelle Interesse an Kindern erfassen. Zu einer Risikoprognostik bei Männern mit beruflichem Kontakt zu Kindern gehörte zudem, frühere sexuelle und – im Hinblick auf mehr antisoziale Merkmale – nicht-sexuelle Straffälligkeit, Bildung und Manipulationsstrategien zu erfassen. Insgesamt sollten vor allem Männer aber auch Frauen mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung vermehrt und wiederholt aktiv angesprochen und in Aufklärungs- und gezielte präventive Therapieangebote einbezogen werden.

Die Häufigkeit, mit der Frauen insbesondere von Jungen als Täterinnen identifiziert wurden, und die Bedeutung von pseudointimen Täterstrategien als charakteristisches Vorgehen bei Missbrauch insgesamt (vor allem aber bei Mädchen) sollte in bestehende Aufklärungen zu Missbrauchsstrukturen verschiedener Beziehungskontexte, Missbrauchsszenarien und protektiven Interventionen und Täterstrategien integriert sein. Die Ergebnisse zu intrafamiliärem und inzestuösen Kindesmissbrauch begünstigenden Faktoren legen darüber hinaus nahe, edukative Angebote und kostenlose Konsultationen für biologische und nicht-biologische Eltern bzgl. des Schutzes von Kindern und den Anforderungen neuer (nicht biologischer) Familienkonstellationen zu etablieren.

 

Breite Aufklärung über Missbrauchsstrukturen und -szenarien

  • Aufklärung über Frauen als Täterinnen und Täterstrategien
  • Edukative Angebote und kostenlose Konsultationen für biologische und nicht-biologische Eltern zu den Anforderungen (nicht biologischer) Familienkonstellationen.