:: Studien - A1

Genetische Ursachen einer Alterspräferenz (sexuelle Vorliebe für ein bestimmtes Alter)

Erstmalig sollte sexuelles Interesse an Kindern und deren mögliche Ursachen in einer möglichst großen Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung untersucht werden. In mehreren Teilstudien wurden genetische Analysen, Fragebögen und Experimente zur Reizerkennung genutzt, um Einflussfaktoren auf das sexuelle Interesse an Kindern und Jugendlichen zu erfassen und deren gegenseitige Wechselbeziehung näher zu betrachten. Im Fokus standen dabei die genetischen Einflüsse und spezifische genetische Varianten, die mit sexuellem Interesse an Kindern und Jugendlichen zusammenhängen könnten. Die Ergebnisse der Studien sollten zu einem tieferen Verständnis der Entstehung und Aufrechterhaltung sexuellen Interesses an Kindern und Jugendlichen beitragen.

 

Fragestellungen im Einzelnen

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen sexuellem Interesse an Kindern, dem Alter der Studienteilnehmer, der sexuellen Orientierung, dem Ausmaß an sexuellem Verlangen und eigener sexueller Missbrauchserfahrung in der Kindheit?
  • Gibt es bei Männern eine Komponente von Erblichkeit und Zusammenhänge zwischen bestimmten genetischen Varianten mit sexuellen Interesse an Kindern?
  • Unterscheiden sich Männer mit und ohne sexuellem Interesse an Kindern hinsichtlich genetischer Sequenzen in der DNA (z. B. sogenannter Polymorphismen einzelner Nukleotide)?

 

Vorgehen

Die Teilnehmer wurden der Studie der „Genetik von Sexualität und Aggression“ (GSA-Studie) entnommen, die am Center of Excellence in Verhaltensgenetik an der Abo Akademi Universität in Turku, Finnland, durchgeführt wurde. Johansson und Kollegen (2013) haben die GSA-Stichprobe im Detail beschrieben. Die Teilnehmer wurden über das finnische Personenzentralregister identifiziert, waren finnische Muttersprachler, geboren und gegenwärtig wohnend in Finnland. Eine erste Datensammlung wurde 2005 durchgeführt und zielte auf 33 bis 43-jährige Zwillinge ab. Eine zweite Datensammlung wurde 2006 durchgeführt und zielte auf alle 18 bis 33-jährige Zwillinge und darüber hinaus weitere über 18-jährige Geschwister. Es gab keine Überlappungen zwischen den Stichproben.

An die Zwillingspaare der ersten Datensammlung wurden Fragebögen versandt, gefolgt von einem Erinnerungsschreiben und ggf. neuen Fragebögen. An der zweiten Datensammlung konnten diejenigen Zwillinge (und Geschwister) teilnehmen, die zustimmten, über eine sichere Website oder per Post verschickte Fragebögen zu beantworteten.

Zur Untersuchung der Erblichkeit von sexuellem Interesse bei Männern wurden alle Antworten genutzt, die auf sexuelles Interesse, Masturbationsfantasien und sexuelles Verhalten an bzw. mit Kindern und Jugendlichen hinwiesen. Das geringe Vorkommen dieser Merkmalsausprägung (auch Phänotyp genannt) erlaubte nicht, ausschließlich sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät zu berücksichtigen. Daher wurde auch das Interesse an pubertären Kindern mit einbezogen (max. 15 Jahre). 

 

Teilnahme

An 5000 Zwillingspaare wurden im Rahmen einer ersten Datensammlung Fragebögen versandt. 3604 Zwillingspaare sandten ihre Fragebögen zurück, was einer Rücklaufquote von 36% entsprach. An einer zweiten Datensammlung beteiligten sich 10524 Teilnehmer, was einer Rücklaufquote von 45% entsprach. Hinsichtlich der Erblichkeit von sexuellem Interesse an Kindern wurde das Genmaterial von 1672 männlichen Zwillingen und deren männlichen Geschwistern (Alter von 21 bis 43 Jahren) untersucht.

 

Inhalt

Die Fragebögen umfassten neben Fragen zu Kindheitserfahrungen, Aggression, Alkoholkonsum und Einstellungen vor allem Fragen zu sexuellen Fantasien und sexuellem Verhalten, die sich auf „Partner“ verschiedenen Alters bezogen. Alle Antworten zum sexuellen Interesse und dem tatsächlichen sexuellen Verhalten wurden über Alterskategorien ausgewertet und mit dem Alter der Teilnehmer verglichen. Teilnehmer, die die Alterskategorien 0‑6, 7‑12 und 13‑15 für sexuelles Interesse auswählten, wurden der Gruppe „sexuelles Interesse an Kindern“ zugeteilt. Darüber hinaus beantworteten die Probanden die „Desired Amount of Sexual Activity“-Skala, den „Childhood Trauma“-Fragebogen-Kurzform und Fragen bzgl. ihrer sexuellen Orientierung.

Die genetischen Analysen zielten allgemein auf die DNA und Genvarianten ab. Hierbei wurden spezifische Gene untersucht, die mit sexuellem Interesse an Kindern zusammenhängen könnten.

Über den Abgleich des vorhandenen Genmaterials mit den Antworten der Teilnehmer zum Vorliegen eines sexuellen Interesses an Kindern zwischen 0 und 12 Jahren wurden bestimmte genetische Varianten, die mit sexuellem Interesse an Kindern zusammenhängen, untersucht. Untersucht wurden hierfür 54 sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP; geerbte und vererbbare genetische Varianten einzelner Basenpaare in einem DNA-Strang) verschiedener Gene.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Befragung sowie der genetischen Analysen wurden auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind als wissenschaftliche Publikationen erhältlich.

 

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Mechanismen der Inzestvermeidung

Das Ziel mehrerer experimenteller Teilstudien war, den Einfluss persönlicher Merkmale zu identifizieren, die dazu führen könnten, biologisch verwandte und nichtverwandte Kinder zu missbrauchen. Darüber hinaus sollte aus der Evolutionspsychologie abgeleitet untersucht werden, inwieweit z. B. biologischer Verwandtschaftsgrad, das Miteinanderleben und die Familienbeziehung das Ekelgefühl beeinflussen, welches durch Geschichten hervorgerufen wird, in denen Inzest beschrieben wird.

 

Fragestellungen im Einzelnen:

  • Werden sexuelle Handlungen mit nichtverwandten Kindern eher eingegangen, weil das Risiko für sexuellen und physischen Missbrauch für biologische Kinder gewöhnlich größer und das elterliche Engagement für nicht-biologische Kinder geringer ist?
  • Haben Frauen stärkere Ekel-Reaktionen bei Inzestgeschichten?
  • Moderiert der Verwandtschaftsgrad zwischen den in den Geschichten an Inzest beteiligten Personen Ekelreaktionen? Wird z. B. mehr Ekel hervorgerufen, je höher der Verwandtschaftsgrad in den Beschreibungen ist?
  • Werden Inzuchtbeschreibungen, in denen der Versuchsteilnehmer selbst vorkommt, ekeliger erlebt als Beschreibungen der Inzucht verwandter dritter Personen?
  • Wenn Ekel insgesamt das inzestuöse sexuelle Interesse senkt, in welchem Ausmaß moderieren dann Geschlecht, biologische Verwandtschaft, Zusammenleben und die Art der familiären Beziehung des im Inzestszenario beschriebenen Akteurs den hervorgerufenen Ekel von Männern und Frauen, die diese Beschreibungen lesen?
  • Führen Verwandtschaftshinweise zu mehr subjektiver Sicherheit bzgl. Verwandtschaft, zu kooperativem Verhalten und einer größeren Ekelreaktion gegenüber den Eltern?
  • Sind Frauen während der fruchtbarsten Phase ihres Menstruationszyklus aversiver gegenüber Inzest als „suboptimaler Fortpflanzungsstrategie“?

 

Vorgehen

In mehreren Teilstudien wurden in mehreren Regionen Finnlands Erwachsene in experimentellen Studien untersucht. Zumeist wurden Einladungen zur Teilnahme an der Befragung an alle aktuellen und ehemaligen Studenten der Abo Akademi Universität geschickt, die Informationen zur Befragung und der Link zu der Website der Befragung enthielten. Alle Teilnehmer konnten optional an einer Verlosung einer 200€-Geschenkkarte eines Reisebüros teilnehmen. Um die Anonymität auch hier zu gewährleisten, wurde die Teilnahmeinformation für die Verlosung auf einer getrennten Website gesammelt. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen konnten die Umfrage jederzeit beenden und wurden sowohl über den Inhalt der Studie als auch über die Maßnahmen zu deren Schutz aufgeklärt (d. h. kein Abruf von Informationen wie IP-Adresse oder Name, die spezifischen Individuen zugeordnet werden könnten).

In allen Studien wurden den Teilnehmern unterschiedliche Geschichten vorgestellt. In diesen wurde beschrieben, wie sich der Teilnehmende selbst oder andere Dritte in einer sexuellen Situation mit einer anderen Person unterschiedlichen Verwandtschaftsgrades befindet (biologische oder nichtbiologische Tochter, Nichte, Tochter des Freundes). Anschließend sollten zu der Geschichte verschiedene Fragen beantwortet werden,

 

Teilnahme

Die Studien wurden mit Hilfe von unterschiedlichen Stichproben durchgeführt. Die erste Stichprobe umfasste 663 Studenten (475 Frauen und 188 Männer) im Alter zwischen 19 und 45 Jahren. Stichprobe zwei umfasste 434 Studenten (307 Frauen, 127 Männer) im Alter zwischen 19 und 61 Jahren, Stichprobe drei 702 Männer und Frauen unterschiedlicher Universitäten und Berufsschulen in Helsinki und Turku und Stichprobe vier 3362 Teilnehmer der finnischen Verwandtschaftsstudie [The Finn-Kin Study] mit mehreren Teilstichproben.

 

Inhalt

Zu den Inzest-Geschichten wurden je nach Teilstudie verschiedene Fragen beantwortet. Dazu gehörte u. a. die selbsteingeschätzte Wahrscheinlichkeit in einer ähnlichen Situation ein bestimmtes Verhalten zu zeigen (z. B. die andere Person zur sexuellen Handlung zu ermutigen), die vermutete sexuelle Erregung in einer ähnlichen Situation, und das Ausmaß ihres Ekels auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht) bis 9 (extrem eklig) anzugeben. Darüber hinaus wurde erfragt, woran Blutsverwandtschaft über die Lebensspanne erkannt wurde (z. B. Anzahl und Art elterlichen Engagements, phänotypische (äußerliche) Ähnlichkeit und Verhaltensähnlichkeit) und welche Rolle das Miteinanderleben spielt. Bei Frauen wurde in einer Teilstudie der Menstruationszyklus zum Zeitpunkt des Experimentes miterhoben.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse aller Teilstudien wurden auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen erhältlich.

 

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