:: Studien - Do2

Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit sexuellen Grenzverletzungen in den neuen Medien

Das Ziel der Studie war es, Vorkommen sowie Bedingungen und Folgen unerwünschter und sexuell grenzverletzender Erfahrungen im Internet während Kindheit und Jugend in Deutschland zu erfassen.

 

Fragestellungen

  • Wie häufig berichten Jugendliche in Deutschland sexuelle Onlineerfahrungen und -kontakte im vergangenen Jahr?
  • Welche Formen sexueller Grenzverletzungen im Internet berichten Jugendliche wie häufig?
  • Wie häufig münden Onlinebekanntschaften von Mädchen und Jungen in (sexuellen) Offlinetreffen (sog. grooming)?
  • Wie unterscheiden sich die Erfahrungen von Mädchen und / Jungen?
  • Welche soziodemografischen Merkmale unterscheiden Betroffene von Nicht-Betroffenen (Alter, Bildung, Entwicklungsbedingungen…)?
  • Welche psycho-sozialen Merkmale unterscheiden Betroffene von Nicht-Betroffenen, d. h. sind sie z. B. impulsiver, aggressiver, ängstlicher, depressiver…?
  • Wie alt sind die Täter und welches Geschlecht haben sie aus Sicht der Betroffenen?

 

Vorgehen

Für die Jugendlichenbefragung wurden 17152 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17, stratifiziert nach Alter und Geschlecht, von Marktforschungsinstitut LineQuest kontaktiert. Die Einladung zur Studienteilnahme entsprach den Richtlinien des internationalen Kodex ICC/ESOMAR (Internationalen Kodex für die Markt- und Sozialforschung). Eine ggf. notwendige Zustimmung der Eltern an Befragungen war damit vorausgesetzt. In einer E-Mail wurden alle über Ziele und Inhalt der Befragung informiert. Alle Angaben wurden anonym und unter Schweigepflicht behandelt. Zum Schutz der Jugendlichen war die Teilnahme absolut freiwillig und konnte jederzeit unterbrochen werden. Die Mädchen und Jungen mussten zu keinem Zeitpunkt ihre Namen angeben. Ein Rückschluss auf ihre Person ist somit nicht möglich. Der für die Online-Befragungen genutzte Server garantierte die Einhaltung des Datenschutzes. Außerdem wurde den Jugendlichen während der Befragung über zwei Wege Gelegenheit gegeben, sich Unterstützung oder Beratung zu holen: (1) in dem Fragebogen öffnete sich ein Pop-Up-Fenster sobald ein Mädchen oder ein Junge von einer belastenden Erfahrung berichtete und informierte über Angebote verschiedener spezialisierter Beratungsstellen (Save me online, Pro Familia, Nummer gegen Kummer, örtliche Kinderschutzzentren). (2) Über ein Kontaktformular konnten belastete Kinder und Jugendliche geschützt und anonym (keine Informationen wie Name, Telefonnummer, E-Mail- oder IP-Adresse) direkt mit den Mitarbeitern des MiKADO-Projekts in Kontakt treten.

 

Teilnahme

Von den kontaktierten Jugendlichen wurde der Fragebogen 3308 Mal aufgerufen. 2827 Jugendliche nahmen an der Befragung teil. Nach Ausschluss von nicht vollständig ausgefüllten Datensätzen und denen mit widersprüchlichen Angaben gingen die Daten von 2248 Jugendlichen (53,8% Mädchen und 46,2% Jungen) in die Auswertung ein.

 

Inhalt

Erfasst wurden sexuelle Erfahrungen, die die Jugendlichen im Laufe des letzten Jahres unter Beteiligung anderer Personen online gemacht haben:

  • Hast du dich im letzten Jahr mit jemandem online über sexuelle Themen (das Aussehen deines Körpers, den Körper der anderen Person, sexuelle Wünsche und/oder Erfahrungen) unterhalten? (Ja/ Nein)
  • Hast du im letzten Jahr online sexuelle Handlungen mit oder vor einer Person gemacht oder hat eine Person sexuelle Handlungen vor dir gemacht (Online-Sex)? (Ja/ Nein)
  • Hast du im letzten Jahr jemandem, mit dem du online Kontakt hattest, Fotos von dir geschickt oder gezeigt? (Ja/ Nein)
  • Hast du im letzten Jahr von jemandem, mit dem du online Kontakt hattest, Fotos bekommen, auf denen diese Person abgebildet war? (Ja/ Nein)
  • Hast du im letzten Jahr von jemandem, mit dem du online Kontakt hattest, pornografisches Material geschickt bekommen? (Ja/ Nein)

Die Fragen wurden so formuliert, dass die von den Mädchen und Jungen berichteten Online-Kontakte sowohl anhand des Altersunterschieds (Erfahrungen mit einer mindestens fünf Jahre älteren Person) sowie anhand des Erlebens der Jugendlichen (Erleben eines Kontakts als angenehm oder unangenehm) als kritisch bzw. unkritisch eingestuft werden konnten.

Als sexuell Grenzverletzende Onlineerfahrung wurde jede sexuelle Erfahrung mit einem Anderen definiert , die von Mädchen und Jungen als (sehr)belastend bewertet wurde.

Zur Erfassung psycho-sozialer Merkmale und ggf. Belastungen wurden national und international anerkannte Fragebögen in die Onlineerhebung integriert (Abuse Attribution Inventory, Feiring, Taska, & Lewis, 2002; Personal Mastery Scale, Pearlin & Schooler, 1978; Mate Value Inventory, Kirsner, Figueredo, & Jacobs, 2003; Social Phobia Inventory – Kurzversion, Connor et al., 2001; Youth Self-Report – deutsche Übersetzung, Döpfner, Berner, & Lehmkuhl, 1994; Kurzfragebogen zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren, Heubrock & Petermann, 2008; Barratt Impulsiveness Scale – Kurzversion, Meule, Vögele, & Kübler, 2011).

In einer gesonderten Frage gaben die Jugendlichen Auskunft darüber, ob sie sich mit ihrer Onlinebekannschaft getroffen haben, welcher Art die Treffen waren und ob es zu sexuellen Handlungen bei den Treffen gekommen ist (sog. grooming).

Zur Erfassung der Tätermerkmale wurden die Mädchen und Jungen nach dem Geschlecht, dem Alter und dem Bekanntheitsgrad des Onlinekontaktes gefragt, der ihnen mitgeteilt wurde oder den sie angenommen haben. Weitere Angaben zur Vorgehensweise der Täter befinden sich derzeit noch in der Auswertung.

 

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der Befragung wurden auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt.