:: Studien - Do 3

Psychosoziale Folgen und Bewältigung sexuellen Kindes- und Jugendmissbrauchs

Mit Hilfe klinischer Interviews wurden die psychosozialen Folgen und die Bewältigung sexuellen Kindes- und Jugendmissbrauchs bei betroffenen Kindern und Jugendlichen im Hilfesystem untersucht, deren sexuelle Viktimisierung vor dem Eintritt ins Erwachsenenalter offenbart wurde.

Fragestellungen

  • Welche Folgen hat Missbrauch bei jungen Betroffenen, die bereits im bestehenden Hilfesystem angekommen sind?
  • Weisen sexuell viktimisierte Kinder und Jugendliche eine höhere posttraumatische Stresssymptomatik auf als Betroffene anderer nicht-sexueller Misshandlungsformen?
  • Wann und wem gegenüber werden Missbrauchserfahrungen offengelegt?
  • Was hindert Betroffene an einer Offenlegung?
  • Wie wurde misshandlungsbezogene soziale und professionelle Unterstützung von jungen Betroffenen genutzt und erlebt bzw. bewertet?

Vorgehen

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen hatten sexuelle Missbrauchserfahrungen und/oder andere Misshandlungsformen erlitten (körperliche, emotionale, Vernachlässigung). Alle Mädchen und Jungen wurden deutschlandweit über Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt sowie in enger Kooperation mit dem Verbundprojekt „CANMANAGE: Implementierung und Evaluation einer bedarfsgerechten, gemeindenahen Hilfsprozess-Koordination für Kinder und Jugendliche nach Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung“ über Jugendämter, Träger der freien Jugendhilfe und kooperierende Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie erreicht. Sowohl das informierte Einverständnis der Mädchen und Jungen als auch das der jeweiligen Sorgeberechtigten wurde eingeholt. Die Teilnahme an der Studie erfolgte sowohl durch telefonische Interviews als auch durch persönliche Befragungen. Zusätzlich wurden Mütter, professionelle Betreuungspersonen wie Heimmitarbeiter oder Pflege-/Adoptiveltern interviewt.

 

Teilnahme

An der Untersuchung nahmen 70 Kinder und Jugendliche mit Missbrauchserfahrung im Alter zwischen 6 und 17 Jahren teil. Im Durchschnitt waren die Mädchen und Jungen 12,3 Jahre alt. Knapp zwei Drittel der Teilnehmenden waren Mädchen. In der Vergleichsgruppe befanden sich 106 Mädchen und Jungen mit nicht-sexuellen Missbrauchserfahrungen.

 

Inhalt

Zur Erfassung der Misshandlungserfahrungen über die lebensspanne der Kinder und Jugendlichen wurde eine ausführliche Interviewversion des Juvenile Victimization Questionnaire Interview (Finkelhor, 2005; Hamby, Finkelhor, Ormrod, & Turner, 2004) in deutscher Übersetzung genutzt (Averdijk, Müller-Johnson, & Eisner, 2012). Erfasst wurden physischer, psychischer und emotionaler Missbrauch durch eine Bezugsperson, Vernachlässigung durch Bezugspersonen, sexueller Missbrauch durch Bezugspersonen, Gleichaltrige oder Fremde sowie die Beobachtung häuslicher Gewalt zwischen Bezugspersonen oder zwischen Bezugspersonen und Geschwistern. Zusätzlich wurde eine ungewollte Konfrontation mit Pornografie oder die Beteiligung an deren Herstellung erfasst. Wurden von den Mädchen Erfahrungen bejaht, wurden Häufigkeit, Alter des Kindes zum Zeitpunkt des Missbrauchs sowie Informationen zum Täter oder der Täterin erfragt.

Zur Erfassung der psychischen Belastung und möglicher Risiko- und Schutzfaktoren wurden national und international anerkannte Erhebungsverfahren eingesetzt (Schedule for Affective Disorders and Schizophrenia for School-Age Children- Present and Lifetime Version, Delmo, Weifenbach, Gabriel, Marchia, & Poustka, 1998; Kaufman et al., 1997; „Soziale Unterstützung“ aus der Children’s Impact of Traumatic Events Scale-Revised, Wolfe, Gentile, & Wolfe, 1989; Strengths and Difficulties Questionnaire, Goodman, 2001; Kidscreen 10-Index, Ravens-Sieberer et al., 2010; University of California at Los Angeles Post-traumatic Stress Disorder Reaction Index; Child Post-Traumatic Cognitions Inventory, Meiser-Stedman et al., 2009; Multidimensional Scale of Perceived Social Support, Zimet, Dahlem, Zimet, & Farley, 1988).

Informationen zur Offenbarung / Offenlegung und Inanspruchnahme von Hilfe wurden über ein selbst entwickeltes Interview gesammelt.

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Interviews wurden auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind wissenschaftlichen Publikationen erhältlich.

 

 

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