:: Studien - Mik3

Merkmale sexueller Kindesmissbraucher mit professionell bedingtem Kontakt zu Kinder

Systematische Studien zu Kindesmissbrauchern mit beruflichem oder ehrenamtlichem Kontakt zu Kindern fehlen sowohl national als auch international nahezu vollständig. Ziel mehrerer Teilstudien war daher zu untersuchen, inwieweit Männer mit professionell bedingtem Kontakt zu Kindern innerhalb der Gruppe der Kindesmissbraucher eine besondere Risikogruppe darstellen. Die Ergebnisse sollten zur Verbesserung der empirischen Datenlage und bestehender Präventionsmaßnahmen in Institutionen mit berufs- oder freizeitbedingtem Kontakt Erwachsener zu Kindern (u. A. Schulen, Freizeit- und Sportvereine, Kirchen etc.) beitragen.

 

Fragestellungen im Einzelnen:

  • Welche Merkmale haben Täter mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung in der Allgemeinbevölkerung im Vergleich zu Kindesmissbraucher ohne diesen Kontakt?
  • Welche Merkmale haben inhaftierte Kindesmissbraucher, die Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung hatten?
  • Besteht eine erhöhte Rückfallhäufigkeit bei Kindesmissbrauchern mit beruflichem Kontakt zu Kindern im Vergleich zu Kindesmissbrauchern ohne beruflichen Kontakt zu Kindern?
  • Kann auf der Grundlage der identifizierten Merkmale ein Profil an Risiko- und Schutzfaktoren erstellt werden, das erlaubt die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall innerhalb eines fest definierten Zeitraumes vorauszusagen?
  • Lässt sich unter bekannten Risikoerfassungsverfahren ein Verfahren identifizieren, das das Risiko eines Kindesmissbrauchers mit beruflichem Kontakt zu Kindern erneut Täter zu werden am besten vorhersagt?

 

Vorgehen

Um Häufigkeit und Merkmale von Tätern mit Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung in der Allgemeinbevölkerung zu bestimmen, wurden die Daten der Online-Befragung Mik1 genutzt.

Um Häufigkeit und Merkmale inhaftierter Kindesmissbraucher, die Kontakt zu Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung hatten,  wurden 229 forensisch-sexologische Vollzugsgutachten der Begutachtungs- und Evaluationsstelle für Gewalt- und Sexualstraftäter (BEST; Justizanstalt Wien-Mittersteig, AST Florisdorf) verwendet, die für den deutschen Sprachraum repräsentativ sind. Alle Informationen wurden von zwei verschiedenen Wissenschaftlern kodiert und miteinander abgeglichen.

Über den Vergleich mit anderen Gruppen inhaftierter Kindesmissbraucher (extra-familiären und intra-familiären) sollten charakteristische Merkmale identifiziert werden.

 

Teilnahme

Für Aussagen in der Allgemeinbevölkerung wurden diejenigen in die Auswertung einbezogen, die sich selbst als Täter (Kindesmissbrauch und/oder Nutzung von Missbrauchsabbildungen) identifizierten und einen Kontakt mit Kindern in Beruf oder Freizeitbetreuung bejahten. Die Daten von 8718 Männern konnten ausgewertet werden.

Als Einschlusskriterien für inhaftierte Kindesmissbraucher mit ehemalig beruflichem Kontakt zu Kindern wurde definiert, dass die betreffende Person in ihrem Beruf oder im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Kindern oder Jugendlichen gearbeitet haben muss und aufgrund eines Kindesmissbrauchsdeliktes verurteilt wurde. Der Missbrauch fand hierbei immer im Rahmen der kindernahen Tätigkeit statt. Die abschließende aktenbasierte Stichprobe von 229 Inhaftierten setzte sich aus 126 intra-familiären Kindesmissbrauchern (55%), 66 extra-familiären Kindesmissbrauchern (28,8%) und 37 Kindesmissbrauchern mit beruflichem Kontakt zu Kindern (16,2%) zusammen.

 

Inhalte

Den forensischen Gutachten wurden Informationen zur persönlichen Biographie der Täter und zur kriminellen Vorgeschichte entnommen (Merkmale der Opfer und des Tathergangs, psychiatrische und sexuelle Störungen, Persönlichkeit, Risikoeinschätzung und Rückfälligkeit). Als Hinweise auf eine antisoziale Orientierung wurden frühere Verurteilungen aufgrund eines Deliktes, frühere Probleme mit Alkohol oder illegalen Drogen, die Diagnose einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sowie die Summenwerte der Psychopathie Checklist-Revised (PCL-R, Hare, 2003) gewertet. Als Risikoerfassungsinstrumente wurden verwendet: Static-99 (Hanson & Thornton, 2000), Sexual Offender Risk Appraisal Guide (SORAG; Quinsey, Harris, E, & Cormier, 2006), Sexual Violence Risk-20 (SVR-20; Boer, Hart, Kropp, & Webster, 1997) und Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R; Hare, 2003). Die Erfassung von Schutzfaktoren erfolgte über den SAPROF (Structured Assessment of PROtective Factors; Vogel, Ruiter, Bouman, & Vries Robbé, M. de, 2007).

 

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der Befragung sowie der Aktenanalysen wurden auch auf Fachtagungen der Öffentlichkeit vorgestellt und sind als wissenschaftliche Publikationen erhältlich.

 

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